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Bildungsministerin Streichert-Clivot wendet sich mit Offenem Brief an die Abiturient*innen

Ab 4. Mai werden die Schulen im Saarland unter Infektionsschutzauflagen schrittweise wieder geöffnet, die Abiturprüfungen beginnen am 20. Mai.

Der Offene Brief Ministerin Streichert-Clivots im Wortlaut:

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

liebe Schülerinnen und Schüler,

in den letzten Tagen erreichen mich auf allen Kanälen sehr viele Nachrichten zu der ab dem 4. Mai bevorstehenden, schrittweisen und vorsichtigen Wiederöffnung unserer Schulen, insbesondere auch zu den Abiturprüfungen.

Viele von Ihnen haben große Sorgen. Sorgen um die eigene Gesundheit, die der eigenen Familie - Geschwister, Eltern, Großeltern, Menschen die uns wichtig sind. Bringe ich sie in Gefahr, wenn ich in die Schule gehe? Gleichzeitig schildern mir sehr viele Schülerinnen und Schüler, wie groß ihre Sorgen um die eigene Zukunft sind. Wann kann ich meine Freundinnen und Freunde wiedersehen? Werde ich meinen Schulabschluss, auf den ich so lange und hart hingearbeitet habe, machen können? Und wie geht es in ein paar Wochen oder Monaten weiter? Werde ich die Ausbildung oder das Studium beginnen können, von dem ich träume? Diese Fragen sind wichtige Fragen, die ich gut nachvollziehen kann. Denn die Antworten entscheiden über Lebenswege, über Zukunftschancen und -perspektiven.

Wir alle befinden uns in einer in der Geschichte unseres Landes noch nie dagewesenen Ausnahmesituation. Diese Ausnahmesituation geht einher mit einer großen Unsicherheit, ja Verunsicherung. Viele Entscheidungen treffen wir – und wir müssen sie treffen – zum allerersten Mal überhaupt. Für das, was wir jetzt alle gemeinsam erleben, gibt es keine Erfahrungswerte. Aber ich kann Ihnen versichern: Wir treffen unsere Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung. Wir setzen niemanden – nicht Sie, keine Lehrerin und keinen Lehrer, keine Familienmitglieder – sehenden Auges unkalkulierbaren Risiken aus. Menschen aus Risikogruppen werden wir besonders schützen.

Entscheidungen zu treffen, ist umso schwieriger, je diffuser die Entscheidungsgrundlage ist. Deshalb haben wir alles getan, um die bestmögliche Grundlage für verantwortungsvolle und zu verantwortende Entscheidungen im Sinne des Infektionsschutzes zu schaffen. Wir haben uns intensiv beraten mit den Expertinnen und Experten der Gesundheitsbehörden, haben die Erkenntnisse von Virologinnen und Virologen zu Rate gezogen. Wir haben uns mit der Bundesregierung, in der Kultusministerkonferenz und der Landesregierung eng abgestimmt.

Nach allem, was wir jetzt wissen und geplant haben, um den Infektionsschutz und die Hygiene sicherzustellen, können wir die schrittweise und vorsichtige Wiederöffnung und die Durchführung der Abiturprüfungen verantworten. Und natürlich tragen auch Sie Verantwortung dafür, die notwendigen Hygieneregeln einzuhalten und so Ihre Gesundheit und die anderer Menschen zu schützen – nicht nur in der Schule, sondern auch im Bus, im Zug, beim Einkaufen und an vielen anderen Stellen im täglichen Leben. Ich bin mir sicher, dass Sie diese Verantwortung tragen können.

Ich habe Ihnen versprochen, alles dafür zu tun, dass Ihnen durch die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie keine Nachteile entstehen sollen. Sie alle sollen eine gute Zukunft haben – mit guten Chancen, um ein selbstbestimmtes, freies und glückliches Leben zu führen. Dafür arbeite ich jeden Tag – wie Sie selbst. Denn die allermeisten von Ihnen bereiten sich seit Monaten intensiv auf die Prüfungen vor. Sie werden, wenn die Prüfungsphase in gut drei Wochen beginnt, sehr gut gerüstet sein.

Der Verzicht auf die bald anstehenden Abiturprüfungen wäre nicht nur äußerst ungerecht denjenigen gegenüber, die enorm viel Energie in die Vorbereitung auf diese wichtigen Prüfungen stecken. Gegenüber denen, die ihre Noten noch verbessern wollen oder müssen, um ihr Wunschstudium oder eine Ausbildung aufnehmen zu können. Der Verzicht auf die Prüfungen würde einen tiefen Einschnitt bedeuten, der die Zukunftsperspektiven für Sie alle wahrscheinlich deutlich verschlechtern wird. Zwar würde auch ein sogenanntes Durchschnittsabitur in anderen Ländern anerkannt werden, aber mit Ausgleichsregelungen. Denn um die bundesweite Anerkennung des Abiturs herzustellen, würde ein Durchschnittsabitur um einen bestimmten Faktor korrigiert werden müssen – und zwar zu Ihrem Nachteil! Dieser Nachteil bestünde nicht nur im Vergleich zwischen den Ländern, sondern auch zu denjenigen, die ihre Abiturprüfungen bereits hinter sich haben oder sie im nächsten Jahr ablegen werden.

Wäre ich nicht selbst zutiefst überzeugt davon, dass die Entscheidung für die Wiederöffnung unserer Schulen, für die Abiturprüfungen, für Ihre Zukunftsperspektiven richtig ist, hätte ich sie nicht so getroffen.

 

Ihre

Christine Streichert-Clivot

Ministerin für Bildung und Kultur

Medienansprechpartner

Marija Herceg
Pressesprecherin

Trierer Straße 33
66111 Saarbrücken